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SPORTSTÄTTENPLANUNG: Stadionpläne des FC Rot-Weiß Erfurt
Erfurt. (31.Dez.08/ y4u/ lix) Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit der Wunschzettel und so schrieb der FC Rot-Weiß ein neues Fußballstadion auf seinen. Doch die Verwirklichung besorgt diesmal nicht der Weihnachtsmann oder der FC Rot-Weiß und auch der DFB, dessen Präsident Theo Zwanziger sich für neue Stadien in Erfurt und Jena stark macht, wird die Kosten dafür nicht aufbringen. RWE-Präsident Rolf Rombach erklärte Ende November auf einer Pressekonferenz. „Die Leistungsfähigkeit des Vereins ist erreicht und unter den gegebenen Bedingungen hat Rot-Weiß keine Zukunft im Profifußball. Uns fehlen im Vergleich zu den anderen Drittligisten 1,2 Millionen Euro Werbeeinnahmen“ erklärte er mit Blick auch fehlende Businesslogen und weitere überdachte Sitzplätze. Auf der Pressekonferenz wurden mehrere Modelle vorgestellt, wobei die Projekte mit Eigenfinanzierung durch den Verein schnell wieder vom Tisch waren. „Das Projekt wird komplett aus öffentlichen Geldern finanziert." Das neue Stadion bliebe städtisch, der Klub müsste wie jetzt auch für die Nutzung bezahlen. In der Vergangenheit ließ Rot-Weiß den Mietzins sogar bei der Stadt stunden, um seine Schulden abbauen zu können. Die Kosten wurden auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Logischer Weise stößt das Vorhaben nicht nur auf Wohlwollen. Sportnet-Erfurt fragte nach:
1. Welchen der geplanten Vorhaben, Neubau eines reinen Fußballstadions oder Umbau des Steigerwaldstadions zu einer Mehrzweckarena, geben Sie den Vorzug?
2. Wie beurteilen Sie die Forderung nach einem neuen Stadion im Zusammenhang mit der allgemeinen Sportstättensituation in Erfurt?
3. Welches Sportstättenprojekt, Modernisierung oder Neubau, in Erfurt besitzt für Sie aktuelle Priorität?
Erstaunlicher Weise bezogen weder der FC Rot-Weiß, noch die beiden Fachverbände (TFV, TLV) oder der Erfurter Sportbetrieb als Hauptakteure Stellung.
Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) in der Fragestunde des Landtages: „Für den erwogenen Neubau eines reinen Fußballstadions für den FC Rot-Weiß Erfurt in der dritten Liga im Profifußball ist keine Förderung aus Sportstättenmitteln möglich. Die Baumaßnahmen am Erfurter Steigerwaldstadion von 1992 bis 2004 sind vom Land mit 2,8 Millionen Euro gefördert worden, weil das Stadion auch als Bundesstützpunkt Leichtathletik genutzt werde.“
Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD): „Sowohl die Leichtathletik als auch der Fußball genießen einen großen Stellenwert in der Thüringer Landeshauptstadt. Wir können beiden Sportarten nur mit der Hybridvariante gerecht werden. Bereits heute muss in das Steigerwaldstadion investiert werden, um es als Leichtathletik- und Fußballstadion zu erhalten. Wir könnten uns vorstellen, diese Summe von rund 5 bis 6 Millionen Euro auch in einen grundständigen Umbau des Steigerwaldstadions zu investieren, aber eine alleinige Finanzierung durch die Stadt ist allerdings nicht möglich.“
LSB-Präsident Peter Gösel beklagt einen Investitionsstau bei Sportstätten: „Es gibt in Thüringen nicht nur Fußball, der bestenfalls zweitklassig wäre. Insgesamt gibt es bereits für das Jahr 2009 201 angemeldete Vorhaben mit einem Förderbedarf von 19,5 Millionen Euro. Zusagen gibt es für gerade einmal 16 Projekte.“
Thomas Engemann, Fraktionsmitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Wir widersprechen den Plänen vehement und setzen für die Erfurter Stadtentwicklung im Sportbereich deutlich andere Prioritäten. Einen Stadionneubau können wir schon allein aus wirtschaftlichen Aspekten nicht verantworten. So gern wir Fußball mögen. Als Stadt können wir uns mit dem Erfurter Sportbetrieb seit Jahren wirtschaftlich nicht einmal die nötigsten Instandhaltungsinvestitionen leisten, erst recht keinen Neubau eines Fußballstadions, dass nur für die gelegentlichen Fußballligaspiele genutzt würde.“
Jens Panse, Vorsitzender des USV Erfurt: „Angesichts des Zustandes vieler Schulsporthallen und anderer Sportstätten wie z.B. dem Nordbad, sollte man sich auf die unabweislich erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen am Stadion beschränken. Wenn dennoch gebaut werden soll, dann bin ich als Leichtathlet für die Hybridlösung, denn diese Tradition müssen wir am Standort am Steigerwald erhalten. Außerdem sind Fördermittel im Vorfeld der Deutschen LA-Meisterschaften damals zweckgebunden verbaut worden, die ansonsten zurück gezahlt werden müssten. Priorität sollte die Sanierung der Rieth-Halle und weiterer Schulsporthallen haben.“
Frank Nordmann, Abteilungsleiter Boxen des PSV Erfurt: „Wir als Sportler und Erfurter würden es sehr begrüßen, wenn der Bau eines neuen Stadion beschlossen würde. Allerdings sind wir der Meinung, das Stadion am selben Platz zu belassen. Für Erfurt wäre es bestimmt eine große sportliche Bereicherung.“
Detlef Zimmer Basketballtrainer des USV Erfurt: „Wenn ich was zu sagen hätte, dann wäre für mich nur eine Modernisierung des Steigerwaldstadions ein Thema. Sportstätten in Erfurt sind zu knapp und nicht optimal, deshalb ein Fußballstadion nur dann, wenn dadurch nicht Gelder für städtische Sportstätten wegfallen würden. Priorität hat eine große Mehrfelderhalle für Volleyball, Basketball, Handball und die Erweiterung des Bade- und Schwimmangebots.“
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