Revanche geglückt
Geschrieben von
y4u am
Sonntag, 09. Januar 2011
HANDBALL DHB-POKAL 3.RUNDE: Thüringer HC – TSV Bayer 04 Leverkusen 29:27
Bad Langensalza. (08.Jan.11/ Roman Knabe) Der Thüringer HC besiegte in einem spannenden und temporeichen Pokalspiel Bayer Leverkusen mit 29:27 und erreichte damit das Achtelfinale des DHB-Pokals. Beste Werferinnen bei den Thüringerinnen waren Katrin Engel (8/3), Nadja Nadgornaja (6) und Kerstin Wohlbold (6). Für Leverkusen war Marlene Zapf mit 11 Treffern, davon 8 Strafwurftore, die erfolgreichste Werferin. Nach dem Schlusspfiff gab es ein Resümee, das man nicht oft im Handball erlebt: beide Trainer, der Nationaltrainer Rainer Osmann, die Schiedsrichter, der Schiedsrichterbeobachter Peter Rauchfuß und wohl auch die meisten Zuschauer hatten "das gleiche Spiel gesehen". Ein schnelles, dynamisches, körperbetontes und trotzdem faires Spiel, mit hoch spannenden Schlussminuten und insofern eine echte Werbung für modernen Frauenhandball. Hier trafen zwei Teams aufeinander, hochgradig mit erfahrenen und aktuellen Nationalspielerinnen besetzt, von denen, aus Leverkusener Sicht, bedauerlicherweise nur Anna Loerper nach Muskelfasserriss fehlte. Wir wünschen der sympathischen Rückraummitte-Spielerin gute Besserung. Ein Team mit erfahrenen Individiualisten sah sich einer über einen langen Zeitraum top eingespielten Mannschaft gegenüber. Alles zusammen bot also beste Voraussetzungen für einen knappen Spielausgang, sehenswerte Aktionen und die Hoffnung auf einen spannenden Pokalkrimi. Der Thüringer HC begann extrem konzentriert und spielte wohl seine beste Anfangsviertelstunde bisher. Auf Rückraum links begann Nadja Nadgornaja, die in den letzten Spielen überzeugen konnte, während Steffi Subke als aufmerksame Beobachterin zunächst die Bank drückte. Leverkusen erzielte durch Laura Steinbachs Fernwurf die erste und einzige Führung im Spiel. Danach ging Kerstin Wohlbold gleich dreimal hintereinander scheinbar mühelos durch die unorganisiert wirkende Gästeabwehr. (3:1, 4.) Doch jetzt begannen die Werkselfen ihre erwartete Stärke zu präsentieren. Die Pässe für Stefanie Egger an den Kreis kamen millimetergenau und diese wiederum war nicht mehr Regel gerecht zu bremsen. So konnte Marlene Zapf, die 20Jährige bot am heutigen Tag eine Superleistung, mit einem Strafwurf-Hattrick den 4:4-Ausgleich erzielen.(7.) Leverkusen strahlte enormen Druck aus dem Rückraum (voran Laura Steinbach) aus und band im THC-Abwehrzentrum mit Steffi Eggert meist zwei Gegenspielerinnen. Schwerstarbeit war angesagt und man konnte froh sein, eine hoch konzentrierte Maike März im Kasten zu haben, die gleich am Anfang dreimal stark hielt. Im THC-Angriff, überwand Katrin Engel, mit zwei super Fernwürfen Clara Woltering und brachte ihr Team wieder in Führung. Die Leverkusener Nationaltorhüterin stand in den ersten 20 Minuten auf verlorenem Posten. Von ihrer Abwehr weitgehend allein gelassen, brachte sie kaum Hand oder Fuß an den Ball. So zog der THC in der 16. Minute erstmals auf drei Tore davon und Maike März parierte kurz darauf spektakulär einen Strafwurf Marlene Zapfs, die ansonsten nervenstark alle anderen acht Siebenmeterwürfe einnetzte. Jetzt legte der THC vor, Leverkusen hielt aber den Abstand. (12:8,19.) In der 25. Minute hatten die Gäste nach zwei Toren in Folge den Anschlusstreffer erzielt (12:11) und Trainer Herbert Müller nahm die Auszeit. Das zeigte Wirkung. Die eingewechselte Steffi Subke brachte neuen Angriffsdruck und die Gastgeber konnten sich bis zur Pausensirene wieder auf 15:12 absetzen. Nach der Pause spielte der THC mit höchstem Tempo seine schon mehrfach gezeigte Stärke aus und sorgte mit einem 4:1 Zwischenspurt für einen beruhigenden 19:13-Spielstand. Dazu trug auch Maike März bei, die einen Tempogegenstoß der Gäste spektakulär entschärfte. Wer glaubte, das Spiel liefe jetzt in ruhigeren Bahnen, sah sich schnell getäuscht. Steffi Egger, für die Elisabeth Garcia Almendaris die Abwehrarbeit machte, nutzte ihre Kraftreserven und zeigte sich wieder als Turm in der Schlacht. Wenn ein Pass bei ihr landete, gab es Tor oder Strafwurf. Dazu kam die Treffsicherheit Laura Steinbachs und Elisabeth Garcia Almendaris. Gegen beide schien jetzt kein Kraut mehr gewachsen. Die THC-Damen hatten wohl auch nach ihrer Tempoeinlage ein klein wenig Ruhe haben wollen, was die Gäste zu einem 7:1-Lauf beflügelte, der mit dem 20:20 in der 43.Spielminute endete. Jetzt war es wieder Katrin Engel, die heute eine super Leistung bot. Nicht nur hundertprozentig vom "Punkt", sondern vor allem nervenstark und zielsicher bei den Fernwürfen, riss sie jetzt ihre Nebenleute mit. In dieser Phase erreichte sie Pearl van der Wissel, die nach heftigen Attacken ihrer Gegenspielerin, zwei wichtige Führungen durch Einzelaktionen erzielte. Das Spiel blieb offen. In den letzten 20 Minuten spielten zwei Teams auf Augenhöhe. Woltering mit Steigerung, war von außen nicht mehr zu überwinden. Die Gästeabwehr stand sicher und es bedurfte wieder der Übersicht und Durchsetzungsfähigkeit Kerstin Wohlbolds. Der THC-Kapitän erzielte die psychologisch wichtigen Führungstreffer zum 25:24 und 26:25, ehe Danick Snelder mit ihrem Treffer die Zuschauer wieder aufatmen ließ. (27:25, 54.) Wie jedoch zu erwarten, blieben die Wolf-Schützlinge dran. Nach der jeweiligen THC-Zwei-Tore-Führung brachten Steffi Egger und Laura Steinbach die Gäste heran. Die letzten sieben Minuten konnte man sitzend nichts mehr vom Spiel sehen. Im Stehen erlebten die THC-Fans dann 30 Sekunden vor Schluss das 29:27. Steffi Subke, die Spielerin mit der wohl größten Erfahrung auf dem Spielfeld, setzte ihren Fernwurf an Clara Woltering vorbei ins Leverkusener Gehäuse. Der Rest ging im Jubel auf den Rängen im ersten "Entscheidungsspiel der Saison" unter. „Wir haben konzentriert begonnen und unsere Chancen gut genutzt. Nach der Pause gelang es uns mit viel Druck, eine klare Führung zu erspielen. Wir sind einfach riesig froh, eine Runde weiter zu sein“, freute sich THC-Coach Müller. Bemerkenswert: Die Fans und Gäste auf den Rängen bewiesen sportliche Fairness und spendeten auch Gästetrainerin Renate Wolf nach ihrer sachlichen Spieleinschätzung Applaus.
Halbzeit: 15:12.
Zuschauer: 965.
Siebenmeter: THC 4/4, Bayer 8/9.
Zeitstrafen: THC 1, Bayer 2.
Thüringer HC: März, Blazek – Nadgornaja (6), Knytlovà , Subke (2), Reiche, Minevskaja, Snelder (2), Jahn, Engel (8/3), Garcia-Almendaris, Borges-Mesquita (3/1), Wohlbold (6), van der Wissel (2).
Bayer Leverkusen: Glaser, Woltering - Bönighausen (1), Jochin (3), Steinbach (5), Zapf (11/8), Garcia-Almendaris (4), Hambitzer, Krüger, Byl, Egger (3).
08.Jan.11 / Roman Knabe