Das „weiße Ballett“ bittet zum Tanz
Geschrieben von
y4u am
Dienstag, 23. November 2010
BUNDESLIGA DAMEN: SWE Volley-Team – Allgäu Team Sonthofen
Erfurt. (22.Nov.10/ Stephan Siegl) Es ist soweit. Am Mittwochabend um 20 Uhr in der Dreifelderhalle am Sportgymnasiums beginnt für das SWE Volley-Team die Saison in der 1. Volleyball-Bundesliga. Und nicht nur von den Erfurter Anhängern wird der Start nach 220 Tagen Pause heiß herbei gesehnt, auch aus der Mannschaft hörte man des Öfteren das Wort: Endlich! Die gerade zu Ende gegangene Volleyball-Weltmeisterschaft ist schuld, dass der Saisonstart so spät wie noch nie erfolgt. Nachdem am Sonntag mit der vorgezogenen Partie SC Potsdam gegen den VC Olympia Berlin (3:0) das Eröffnungsspiel stattfand, geht am Mittwoch ein kompletter Spieltag über die Bühne. Während in der „Zweiklassengesellschaft“ die ersten acht Teams den Meister ausspielen werden, so kommt den verbliebenen sieben Mannschaften (SV Sinsheim, Köpenicker SC, Alemannia Aachen, SWE Volley-Team, SC Potsdam, Allgäu Team Sonthofen und VC Olympia Berlin) die Rolle zu, die Plätze in der zweiten Tabellenhälfte unter sich auszumachen. Außer den jungen Mädels vom VCO Berlin, die als Jugend-Nationalmannschaft außer Konkurrenz antreten und nicht absteigen können, müssen die anderen sechs Kontrahenten drei Absteiger unter sich ausmachen. Da das Experiment der DVL, eine auf 16 Mannschaften aufgestockte Liga, von den etablierten Mannschaften als gescheitert angesehen wurde, wird die 1. Bundesliga der Damen sukzessive wieder auf 12 Teams „gesund geschrumpft“. Ein schweres Los für die kleineren Vereine, die meist nur in etwa ein Drittel des Etats der „Oberen“ zur Verfügung haben. So auch der einzige Aufsteiger: das SWE Volley-Team. Eine schwere Hypothek für die Thüringerinnen, die sich mit fünf Neuzugängen und sieben Spielerinnen der Aufstiegsmannschaft dem Kampf im „Haifischbecken Bundesliga“ stellen. Trainer Heiko Herzberg und Neu-Kapitän Jil Döhnert gehen aber optimistisch in die Saison. Zwar wissend, dass nahezu alles passen muss, um den Klassenerhalt zu packen, sehen sie die Thüringer Landeshauptstädterinnen mit guten Chancen, am Ende mindestens auf Platz elf einzukommen. Eine die sich bei den Erfurterinnen besonders auf die Saison freut, ist Elena Messer. Die heute 28-Jährige ist neben Beate Brabetz die einzige Spielerin, die beim bisher einzigen Auftritt der Erfurterinnen im Volleyballoberhaus 2003/2004, damals noch als TuS Braugold, im Kader stand. Aber mit schmerzlicher Erinnerung. Denn bereits am 1.Spieltag, im Thüringenderby gegen den damaligen Mitaufsteiger VfB Suhl, geschah es: 1. Satz, Elena griff über Position vier an, kam schief auf und ein kurzer Aufschrei verhieß nichts Gutes. 700 Zuschauer waren totenstill. Die spätere Diagnose: Kreuzbandriss und Meniskuseinriss bedeuteten das Saison-Aus, bevor sie eigentlich begonnen hatte. Nun kann die halbtags als Physiotherapeutin tätige Elena Messer ihre Erstligasaison nachholen und die Erfurter Volleyballfans drücken ihr die Daumen, dass sie von Verletzungen verschont bleibt. Von schwereren Verletzungen sollte auch der Rest des Teams nicht geplagt werden, denn Ausfälle können sich die gegen den Abstieg kämpfenden Mannschaften nicht leisten. Zu schade wäre es, würde der sportliche Wettstreit durch solche Unglücke entschieden werden. Da gerade den Vergleichen der „Underdogs“ untereinander eine große Bedeutung zukommt oder wie Erfurts Spielführerin Jil Döhnert sagte: „…alles Endspiele“, so heißt es für die Damen unterhalb des Steigerwaldes gleich im ersten Spiel: punkten! Denn der Gegner heißt Allgäu Team Sonthofen und beendete die letzte Saison als Vorletzter. Sollten die Damen um Trainer Heiko Herzberg siegreich sein, so hätten sie gleich Grund, ein „Siegertänzchen“ zu vollführen. Eben wie das „weiße Ballett“, als das sie wegen ihrer Spielkleidung getauft wurden.
22.Nov.10 / Stephan Siegl