Rockets chancenlos
Geschrieben von
y4u am
Sonntag, 26. März 2017
BASKETBALL PROA: OETTINGER
Rockets – Baunach Young Pikes 79:94
Erfurt. (25.Mrz.17/ Max Meß) Ausdrücke wie "mentaler
Tiefpunkt" und
"absolutes
Ausrufezeichen" sind
in der Pressekonferenz nach dem Spiel gefallen. Zuvor hatten die
Oettinger Rockets ihr Heimspiel deutlich mit 79:94 verloren. Dennoch
konnten sie sich die Play-Offs sichern. Durch ihren Auswärtssieg in
der Messe Erfurt halten die Baunach Young Pikes die Klasse und
spielen auch in der kommenden Saison in der 2. Basketball-Bundesliga
ProA. Über das Erreichen der Play-Offs haben sich an diesem Abend
nicht viele gefreut. Nur Gäste-Coach Fabian Villmeter
beglückwünschte die Oettinger Rockets. Weil nur noch ein reguläres
Saisonspiel aussteht und Hamburg in Crailsheim knapp verloren hat,
konnten sich die Raketen überhaupt die Teilnahme sichern. Im
Verhältnis zum Rockets-Spiel ist das eine gigantische Ausbeute. „Ich
finde es schade und traurig, dass ich es wieder sagen muss, aber es
zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: Die Mannschaft ist
nicht in der Lage, die Intensität des Gegners aufzunehmen. Sie
sollen kämpfen und hart verteidigen“, forderte Wolfgang Heyder,
Leiter Sport und Geschäftsentwicklung bei den Oettinger Rockets. Bis
auf Kullamäe nimmt er mit Gibbs, Watts, Mitchell und Hicks vor allem
die vier ausländischen Spieler in die Verantwortung, „die in der
Verteidigung nicht im Geringsten ein Opfer gebracht haben.“ Heyder
habe kein Problem damit, zu verlieren, „aber wir müssen Biss haben
und uns aufopfern. Das habe ich bei uns nicht gesehen.“ „Baunach
war überlegen – von Anfang an“, gestand Florian Gut, Assistant
Coach der Raketen. Er stellte sich in der Pressekonferenz. Head Coach
Ivan Pavic wollte währenddessen von den Spielern Antworten haben.
„Sie können sich sicher vorstellen, dass es jetzt sehr viel
Gesprächsbedarf gibt. Wir haben direkt nach dem Spiel damit
angefangen“, meinte Gut. So ergebe die Aufteilung am meisten Sinn.
Florian Gut wurde deutlich: „Wie wir in den letzten drei Partien
aufgetreten sind, ist nicht akzeptabel. Wir haben dreimal in Folge
schlecht gespielt. Darum wollen auch wir eine Erklärung von den
Spielern.“ Nach den angesprochenen vergangenen drei Spielen,
gleichbedeutend mit drei Niederlagen – muss sich die Mannschaft ein
Einstellungsproblem vorwerfen lassen. Laut Gut haben die Spieler in
diesem Punkt widersprochen. Das habe er noch mitbekommen, bevor er
zur Pressekonferenz ging. Schon im ersten Viertel (21:29) legten die
jungen Talente aus Oberfranken los wie die Feuerwehr. Sie trafen 71
Prozent ihrer Würfe und zeigten vor allem in der ersten Halbzeit
ansehnlichen Team-Basketball. Das gelang den Raketen nicht. Besonders
im zweiten Spielabschnitt stellten sie im negativen Sinn die Weichen
für den Spielverlauf. Baunach konnte seinen Vorsprung um 14 Punkte
ausbauen (11:25). Damit lagen die Oettinger Rockets schon zur
Halbzeit mit 22 Punkten hinten und ließen über 50 gegnerischen
Punkte zu (32:54). Mit einer anderen Einstellung zum Spiel war solch
ein Rückstand im Basketball noch aufzuholen. Das blieb ihnen
verwehrt. Die Young Pikes – mit einem Altersdurchschnitt von knapp
unter zwanzig Jahren, spielten die Partie souverän zu Ende. Zwar
konnten die Raketen in der zweiten Hälfte sieben Punkte aufholen,
doch die Gäste ließen in der Messe Erfurt nicht einmal mehr
Spannung aufkommen. „Baunach ist heute in Bestbesetzung
aufgetreten“, meint Wolfgang Heyder. Aleksej Nikolic und Leon
Kratzer waren dabei. Die beiden helfen des Öfteren bei Brose Bamberg
aus, die als bestes deutsche Basketball-Team gelten. Heyder: „Kratzer
und Nikolic würden in der BBL bei jedem Verein ab dem neunten Platz
in der ersten Fünf spielen. Das entschuldigt aber nicht, mit welcher
Intensität wir auftreten.“ Wolfgang Heyder, der nach dem Spiel
verbal angegriffen wurde, ist sportlich selbst höchst unzufrieden:
„Ich kann die Enttäuschung der Fans verstehen. Ich bin nach dem
Spiel persönlich massivst beschimpft worden. Das wiederum enttäuscht
mich sehr.“ Ansonsten lobten er und Florian Gut das Auftreten der
Fans. Gut: „Wenn die Spieler solch eine Performance auf das Feld
bringen würden wie es die Fans vorleben, dann wäre das Ergebnis
heute ein anderes.“ Weiterhin ist der Assistant Coach der Meinung,
dass „sich unserer Einschätzung nach vom Potenzial der Mannschaft
nichts verändert hat. Damit auch nicht die Zielsetzung. Das gilt für
die Play-Offs und vor allem für das nächste Spiel.“ Am kommenden
Samstag spielen die Raketen in Essen. Dies ist das letzte Spiel der
regulären Saison. Das erste Play-Off-Auswärtsspiel – gegen wen
wird sich noch entscheiden – steht für den 7.April im
Terminkalender. Am 9.April, um 18 Uhr, müssen dann die Oettinger
Rockets in der Messe Erfurt zeigen, dass sie noch gemeinsam
Basketball spielen können.
Halbzeit: 32:54.
Viertel: 21:29, 11:25, 21:19,
26:21.
Zuschauer: 2705 (Messe Erfurt).
Freiwürfe: Rockets 11 von 12
(92 %), Pikes 23 von 28 (82 %).
Dreier: Rockets 8/26, Pikes
9/18.
Fouls: Rockets 26, Pikes 19.
Rebounds: Rockets 29 (8+21),
Pikes 42 (7+35).
Rockets: Schmidkunz 10/2, Gibbs
4, Grof 6, Durant, Oehle 10, Kullamäe 13/1, Allen, Mitchell 5, Hicks
15/2, Watts 16/3, Gomila.
Pikes: Müller 26/4, Olinde 12,
Nikolic 18/2, Kulboka 13/1, Edwardsson, Hoffmann, Kratzer 13, Drell,
Taras 12/2, Wolf, Keppeler, Fichtner.
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25.Mrz.17 / Max Meß - Foto: Trautvetter