Gäste vermasseln Geburtstagsfeier
Geschrieben von
y4u am
Donnerstag, 16. März 2017
BASKETBALL PROA: Oettinger
Rockets – Hamburg Towers 71:80
Erfurt. (15.Mrz.17/ Max Meß) Für Janek Schmidkunz war es eine Partie mit
gemischten Gefühlen. Nach drei Monaten Basketball-Abstinenz kam er
für seine Oettinger Rockets am vergangenen Mittwoch gegen die
Hamburg Towers zurück aufs Parkett. Das 27.Saisonspiel der
2.Basketball-Bundesliga ProA verloren die Raketen allerdings in der
Messe Erfurt mit 71:80. „Alles gut, ich habe keine Schmerzen mehr.
Die Hand ist ja nicht mehr gebrochen“, meinte der Rückkehrer
augenzwinkernd vor dem Spiel. Schmidkunz habe noch nie so lange
während einer Saison gefehlt. Aufregung und Vorfreude sammelten sich
vor der Partie in ihm. Wie er selbst sagte, überwog natürlich die
Vorfreude. Am 18.Dezember des vergangenen Jahres zog sich Janek
Schmidkunz im Auswärtsspiel gegen die Crailsheim Merlins einen
Mittelhandbruch zu. Die rechte Hand ist zwar noch verbunden, dennoch
ist der Linkshänder fit. Head Coach Ivan Pavic sagte ihm vor dem
Spiel noch nicht, dass er spielen wird. Damit stand auch sein
vorzeitiges Geburtstagsgeschenk in den Sternen. Wurde Schmidkunz doch
am darauffolgenden Donnerstag 27 Jahre alt. Schon in der achten
Spielminute war sein Einsatz keine Spekulation mehr. Janek Schmidkunz
wurde für Jonas Grof eingewechselt. Zuvor wurden seine Kollegen
mächtig kalt erwischt. Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 7:16.
„Das war schon ungewohnt am Anfang“, gesteht der Aufbauspieler.
Gerade in der heißen Phase der Saison, so kurz vor den Play-Offs,
dürfe man sich eigentlich keine Fehler erlauben. Das taten die
Oettinger Rockets jedoch zweifelsohne. Bester Beweis: der
Halbzeitstand von 29:44. „Auch ich war nicht fehlerfrei, habe ich
mich dann aber reingebissen“, sagte der nun 27-Jährige. Das hat
auch Head Coach Ivan Pavic so gesehen: „Ich war heute mit vielen
Spielern unzufrieden. Das war aber nicht der Grund, warum er siebzehn
Minuten gespielt hat. Anfangs lief es bei ihm nicht so, dann wurde er
aber besser als seine Mitspieler und hat gute Entscheidungen
getroffen.“ Schmidkunz kam mit 60 Prozent Feldwurfquote auf
insgesamt auf neun Punkte: Das ist solide, nach drei Monaten Pause
sogar gut. Schmidkunz wurde drittbester Schütze seines Teams. In der
zweiten Hälfte besserte sich das Spiel der Raketen und war dennoch
nicht auf akzeptablen Niveau. „Das war unglaublich arrogant, so
kann ich als Profi nicht ins Spiel gehen und an einem Mittwoch vor
2000 Zuschauern auftreten. Die Hamburger waren vierzig Minuten
aggressiver als wir, sie wollten den Sieg einfach mehr. Da brauche
ich mich nicht zu wundern, wenn ich verliere“, meinte Wolfgang
Heyder, Leiter Sport und Geschäftsentwicklung bei den Rockets.
Immerhin spürten die Hamburger Ende des dritten Viertels (25:20)
etwas Gegenwind. Zu einem Sturm entwickelte sich dieser in den
letzten zehn Minuten allerdings nicht (17:16). Der Grund der
Niederlage ist also nicht in der zweiten Halbzeit zu suchen, sondern
in der prinzipiellen Einstellung und rein statistisch natürlich in
der ersten Hälfte „Wir haben in den ersten 20 Minuten wie das
Kaninchen vor der Schlange agiert. Wir konnten uns bis unter den Korb
durchsetzen und haben dann viele, viele Versuche verlegt“, so Head
Coach Pavic. „Lasch“, kommentierte er. „Eine Schande“, meinte
Heyder. Mit einem Heimsieg hätte in Bezug auf die Play-Offs nichts
mehr schiefgehen können. So ist eine Rockets-Teilnahme noch nicht
100-prozentig. Die Hamburger hingegen haben sich eine Minimalchance
auf jene Endrunde erhalten. Sie sind nur noch einen Sieg von den
Play-Off-Rängen entfernt. Jedoch liegen sie im direkten Vergleich
gegen einige der Mitstreiter um die letzten Plätze hinten. Die
Towers hatten diese Saison mit „unfassbar vielen Verletzungen zu
kämpfen“, erinnerte ihr Coach Hamed Attarbashi, „nun konnten wir
endlich mal mit zehn Leuten durchgängig über mehr als eine Woche
trainieren“. Für Attarbashi hat das Wirkung gezeigt. Er ist
natürlich zufrieden mit der Leistung seiner Jungs: „Wir haben von
Anfang an geführt und ein gutes Spiel gemacht. Und wir hatten in
Phasen, in denen das Spiel kippen konnte auch das nötige Wurfglück.“
Nicht nur sportlich haben die Hamburger Leuchttürme den Raketen die
Tour vermasselt. Auch der Geburtstagswunsch von Janek Schmidkunz ging
nicht in Erfüllung. Partystimmung kam nach dem Spiel nicht mehr auf.
„Ich werde heute Abend sicher mal kurz mit einigen wenigen
anstoßen“, sagte das Geburtstagskind, „aber die Feier wird
verschoben!“ Die Katerstimmung ohne Party bekommt noch einen
übleren Nachgeschmack: David Hicks kassierte ein disqualifizierendes
Foul und wird mindestens im Spiel gegen Nürnberg fehlen. Dieses
findet am kommenden Samstag bei den Mittelfranken statt.
Halbzeit: 29:44.
Viertel: 12:25, 17:19, 25:20,
17:16.
Zuschauer: 1941 (Messe Erfurt).
Freiwürfe: Rockets 21 von 27
(78 %), Towers 21 von 25 (84 %).
Dreier: Rockets 8/18, Towers
9/20.
Fouls: Rockets 26, Towers 29.
Rebounds: Rockets 30, Towers 31.
Oettinger Rockets: Schmidkunz
9/2, Gibbs 4, Grof 2, Durant, Oehle 9, Kullamäe, Allen, Mitchell
20/3, Hicks 9/1, Watts 15/2, Parker 3, Gomila.
Hamburg Towers: Camphor 10/2,
Canty 14/1, Liyanage 12/4, Raffington 6, Bahner 4, Lansdowne 16,
Hübner 3/1, Wolf 8, Kamp 7/1, Blessing.
http://www.basketball-club-erfurt.de/
15.Mrz.17 / Max Meß - Foto: Trautvetter