Finale ums Finale erzwungen
Geschrieben von
y4u am
Dienstag, 02. Mai 2017
BASKETBALL PROA: Oettinger
Rockets – Niners Chemnitz 78:74
Erfurt. (01.Mai.17/ Max Meß) So laut war es selten: Mit bester
Play-Off-Stimmung und ganz viel Kampf setzten sich die Oettinger
Rockets am vergangenen Montag in der Messe Erfurt mit 78:74 gegen die
Niners Chemnitz durch. Damit steht am kommenden Mittwoch das
Entscheidungsspiel im Halbfinale der 2.Basketball-Bundesliga ProA an.
In der Chemnitzer Richard-Hartmann-Halle geht es dann ab 19.30 Uhr um
nichts Geringeres als den Aufstieg in die erste Liga. Aber der Reihe
nach: Die Ausgangslage vor dem Spiel am Montag war klar. Beim Stand
von 2:1 Siegen für die Niners Chemnitz hätten die Sachsen mit einem
Auswärtserfolg den sprichwörtlichen Sack zumachen können: Mit 3:1
wären sie im Finale der 2.Liga und würden in der kommenden Saison
in der easy-Credit BBL spielen. Bei einem Sieg der Raketen ist die
Serie wieder ausgeglichen und es kommt am Mittwoch in Chemnitz zum
Entscheidungsspiel um das Finale samt Aufstieg. So ist es dann auch
gekommen. Dennoch ist Niners-Coach Rodrigo Pastore „zufrieden mit
dem Auftritt meiner Mannschaft. Das war eine stärkere Leistung als
noch beim dritten Spiel in Chemnitz. Der Gegner war heute einfach
besser“. Außerdem sei es ein sehr unterhaltsames Spiel für die
2700 Zuschauer gewesen. Die 400 Mitgereisten aus Sachsen dürften das
bei diesem Endstand wohl etwas anders sehen. Weiter sagt der
Argentinier: „Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass
wir die Chance haben werden in einem fünften Spiel zu Hause in die
BBL aufsteigen zu können – das hätte ich sofort akzeptiert!“
Das sieht Ivan Pavic, Head Coach der Oettinger Rockets, ganz genauso
– nur mit der Einschränkung, dass er erst seit Anfang des
Kalenderjahres Trainer der Raketen ist. „Diese Partie war an
Spannung, Dramatik und Kampf kaum zu überbieten“, sagte er in der
Pressekonferenz nach dem Spiel. Pavic weiter: „Dass meine
Mannschaft auch dieses Gesicht hat, wusste ich im Vorhinein. Sie hat
Kampf und die richtige Einstellung gezeigt. Dennoch sind 46 Punkte
zur Halbzeit zu viel.“ Tatsächlich legten beide Teams los wie die
Feuerwehr. Allein im ersten Viertel (18:25) trafen die Gäste vier
ihrer sechs Dreipunktewürfe. Zu Beginn des zweiten Spielabschnittes
(32:21) zogen die Sachsen dann sogar auf elf Punkte davon. Beim Stand
von 20:31 war es zugleich die höchste Führung der ganzen Partie.
Die Rockets trafen dann aber sieben von neun Versuche aus dem
Zweipunktebereich und Darrel Mitchell schickte Sekunden vor der
Halbzeitpause in zwei aufeinanderfolgenden Angriffen zwei Dreier
durch die Reuse. So erlangten die Hausherren die Führung zurück und
die Zuschauer bekamen insgesamt 96 Punkte in einer Halbzeit zu sehen.
Das ist natürlich stets auch durch die Defensivleistung beider
Mannschaften bedingt. Demzufolge fand Wolfgang Heyder, Leiter Sport
und Geschäftsentwicklung bei den Rockets, die Leistung in der ersten
Hälfte „überhaupt nicht gut. Wenn du 46 Punkte kassierst – das
reicht einfach nicht. Wir müssen viel mehr Opfer bringen“. Die
zweite Halbzeit hatte dann deutlich weniger Punkte zu bieten. Beide
Mannschaften kamen auf 28 Zähler. „Dass die zweite Hälfte dann
kein Augenschmaus wird, war für mich absehbar“, meinte Ivan Pavic.
Ob Augenschmaus oder nicht, liegt wohl ganz beim Betrachter. Denn
spannend wurde es allemal. Zwar gaben die Raketen ihren
kontinuierlich knappen Vorsprung im letzten Viertel nicht mehr her,
dennoch stand 20 Sekunden vor Ende der Partie kein Sieger fest. Beim
Stand von 75:72 versenkte Joe Lawson, der noch in der vergangenen
Saison für die Oettinger Rockets spielte, einen Korbleger und
verkürzte so auf einen Punkt Rückstand. Noch siebzehn Sekunden zu
spielen: Lawson foulte Elijah Allen, der seine Freiwürfe sicher
traf. Beim Stand von 77:74 war nun klar: Chemnitz braucht den Dreier
für die Verlängerung. Und so war es wieder Joe Lawson, der sich
acht Sekunden bevor die Sirene ertönt den Wurf nahm. Die Situation
war etwas überhastet und unvorbereitet, daher verwundert es nicht,
dass der Ball sein Ziel nicht fand. Anschließend gab es ein weiteres
Foul an David Hicks. Der verwandelte einen von beiden Freiwürfen und
so sehen sich beide Mannschaften am Mittwoch wieder. Joe Lawson kam
auf insgesamt fünfzehn Punkte und acht Rebounds. Topscorer des Spiels wurde
der Chemnitzer Virgil Matthews mit sechzehn Punkten. Bei beiden Teams
konnten vier Spieler zweistellig Punkten. Das waren auf Seiten der
Oettinger Rockets Darell Mitchell (14), Robert Oehle (13), Grant
Gibbs (13) und David Hicks (11). Der sonst so stabile Dane Watts kam
nur auf acht Punkte, weil er keinen seiner sechs Dreier traf. Sieben
Rebounds gehen hingegen auf sein Konto. Damit ist für Wolfgang noch
Luft nach oben – auch was den Kampfgeist angeht. Der könne dann
gern am Mittwoch über 100 Prozent hinauswachsen. „Wenn wir
überlegen, wo wir Ende Januar standen: nicht sicher in den Play-Offs
und das war auch noch relativ lange so. Wir wussten dann, dass wir im
Viertel- und Halbfinale kein Heimrecht haben werden. Und dass wir
jetzt in einem fünften Spiel in Chemnitz die Möglichkeit haben, in
die BBL aufzusteigen – das finde ich sensationell“, so Heyder. In
diesem Spiel fünf der Serie will Ivan Pavic vermehrt den Korb
attackieren, den freien Mann suchen und schlichtweg den Ball laufen
lassen. Der Respekt vor dem Gegner ist nach wie vor groß: „Ich
kann nur den Hut ziehen vor dem, was in Chemnitz passiert ist.“ Mit
einem kleinen Budget haben es die Niners zum ersten Mal in der
Vereinsgeschichte in das Play-Off-Halbfinale geschafft und spielen
nun zu Hause um die 1. Liga.
Halbzeit: 50:46.
Viertel: 18:25, 32:21, 15:18,
13:10.
Zuschauer: 2677 (Messe Erfurt).
Freiwürfe: Rockets 22 von 27
(81 %), Niners 7 von 10 (70 %).
Dreier: Rockets 6/27, Niners
11/28.
Fouls: Rockets 20, Niners 27.
Rebounds: Rockets 30 (8+22),
Niners 33 (7+26).
Rockets: DiLeo 8/1, Schmidkunz
2, Gibbs 13/1, Grof 5, Durant, Oehle 13, Kullamäe, Allen 4, Mitchell
14/2, Franklin, Hicks 11/2, Watts 8.
Niners: Lawson 15/1, Ziegenhagen
8/2, Carter 13/3, Matthews 16/1, Fleischmann 14/3, Mixich, Richter 1,
Seiferth 4, Wess 3/1, Wendler, Kayser, Bradshaw.
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01.Mai.17 / Max Meß - Foto: Trautvetter